(M)ein Brief an die FPÖ
Ich habe der FPÖ einen elektronischen Brief (Die FPÖ ist ja gegen Anglizismen) geschrieben den ich euch nicht vorenthalten will. Die Version ohne Grußformel etc.:
“Ich habe ihre Parteizeitung „Neue Freie Zeitung“ gelesen, da ich gerade nicht viel zu tun hatte und die provokante Aufmachung „Unsere Polizei hat korrekt gehandelt!“ mich dazu animierte diese Lektüre zu lesen. Natürlich stellt sich die Frage, wieso ihre Parteiredaktion weiß, dass die Beamten korrekt gehandelt haben? Dem Printmedium Standard ist zu entnehmen, dass die Beamten angeben angegriffen worden zu sein. Da der erschossene Jugendliche aber durch einen Schuss in den Rücken getötet worden ist müsste er die Beamten rückwärts angegriffen haben. Reichlich unrealistisch wie ich finde. In einem Rechtsstaat muss die Verhältnismäßigkeit zwischen Waffengewalt und Delikt stimmen. Im Zusammenhang mit diesem Fall spricht man in ihrer Zeitung auch von der „Linkspresse“ und den linken Gutmenschen. „Wer so weit rechts wie die FPÖ fährt, dem muss die Mitte der Straße sehr links vorkommen“ – auch eine provokante Aufmachung, diesmal von mir.
Die „Freiheitlichen“ in Vorarlberg fordern auf ihren Plakaten mehr Geld für heimische Familien. Nun, wie definieren Sie heimisch? Sind Deutsche die hier leben heimisch – Ist es das Dokument der Staatbürgerschaftsurkunde welches jemanden heimisch macht? Sind muslimische Familien, die immer schon hier gelebt haben und das oben erwähnte Dokument besitzen heimische Familien?? Sie fordern auch, dass jene die sich nicht mit „unseren“ Werten identifizieren können gehen müssen. Mein Stammbaum besagt, dass ich durch und durch Österreicher wäre. Ich trete dennoch (oder gerade deswegen?) gegen veraltete konservative Werte ein, wie es sie in diesem Land immer noch so oft gibt. Wohin sollte ich laut Ihrer Meinung gehen, wenn ich mich nicht mit „ihren“ Werten identifizieren kann?
Da ich mich für Wirtschaftspolitik interessiere habe ich auch die Kernpunkte des FPÖ Wirtschaftsprogramms gelesen – viel Zeit nahm dies ja nicht in Anspruch. ^^
Bei einem Punkt musste ich zugegebener maßen etwas lächeln. „Finanzmarktausicht stärken“ Meinen Sie da etwa die Finanzmarktaufsicht? Nehmen Sie mir den Kommentar bitte nicht all zu übel, aber wer sich ständig über mangelnde Deutschkenntnisse von Menschen mit anderer Muttersprache beschwert muss mit so etwas rechnen.. Generell bestehen ihre Forderungen im Wirtschaftsprogramm also aus diversen Förderungen und die Ablehnung neuer Steuern. Ich wäre erfreut hierzu ein paar Finanzierungsvorschläge zu bekommen.”
Hey!
Cooler Brief!
Bezüglich Rechtschreibfehler der FPÖ möcht ich noch auf ein Inserat der FPÖ hinweisen, welches kürzlich in den in den Vorarlberg verfügbaren “Medien” erschienen ist. Dort stand zu lesen: “… Deutsche [sic!] Muttersprache…” Ich habe wirklich alle mir verfügbaren Nachschlagewerke durchsucht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es niemals so war das dieses Attribut groß geschrieben werden kann. Umso peinlicher, wenn man eben genau das Erlernen der Sprache als (wozu sicher auch Rechtschreibung zählt…) Thema angeführt wird…
Ein Link der dich vielleicht noch interessieren könnte: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20061031_OTS0091
Mölzer spricht hier von “Ethnomorphose” was – wie auch in der Aussendung erwähnt – Umvolkung bedeutet. Was wiederum eindeutig eine Naziterminologie ist… Meiner Meinung nach sogar verfassungsrechtlich schwer bedenklich1 Ohne politisieren zu wollen oder sich für eine bestimmte Partei aussprechen zu wollen: Aber die FPÖ ist wirklich das letzte und jeder der sie wählt hat Matsch oder braune Scheiße in der Birne… (Sorry für die Wortwahl, sie scheint mir in diesem Zusammenhang jedoch jedenfalls gerechtfertigt).
Netter Brief. ^^
Leider werden genug Leute diese intelektuellen Leichtmatrosen wählen..